Aktuelle Ausstellung

OTTO MUEHL

KUNST AM ABGRUND

10. September 2026 bis 10. Jänner 2027

Kunst und Widerspruch

Unter dem Titel „Otto Muehl. Kunst am Abgrund“ präsentiert das WIENER AKTIONISMUS MUSEUM zurzeit das künstlerische Schaffen von Otto Muehl. Zu sehen sind rund 150 Werke – Gemälde, Objekte, Druckgrafiken – sowie zwei Filme von einer der kontroversesten Figuren der österreichischen Nachkriegsgeschichte.

Sein Werk hat Künstlerinnen und Künstler weit über Österreich hinaus beeinflusst und wesentliche Entwicklungen der Performance- und Körperkunst vorweggenommen. Der Gründer und Kopf der Kommune am Friedrichshof hat aber auch Menschen traumatisiert und seine Macht missbraucht. Wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger und weiterer Delikte wurde er 1991 zu sieben Jahren Haft verurteilt.

„Eine Ausstellung seines Werkes darf weder die Bedeutung seiner Kunst durch seine Verbrechen zum Verschwinden bringen noch die Verbrechen durch die Bedeutung seiner Kunst relativieren“, so Klaus Albrecht Schröder, Direktor des WAM „Otto Muehls Kunst zu zeigen, bedeutet, eine österreichische Perspektive auf die internationale Kunstgeschichte zu eröffnen. Als Mitbegründer des Wiener Aktionismus greift Muehl zentrale Tendenzen seiner Zeit auf – vom Abstrakten Expressionismus und der Informellen Malerei über die Materialkunst bis zur Erweiterung des Kunstbegriffs in Aktion und Performance. Er radikalisiert diese Impulse und entwickelt aus ihnen eine ebenso eigenständige wie verstörende Kunst.“

Konzentration auf entscheidende Werkgruppen

Anders als frühere Retrospektiven konzentriert sich das WAM auf wenige, entscheidende Werkgruppen. Die Geschichte der Kommune wird dabei nicht verschwiegen, aber von der kunsthistorischen Betrachtung unterschieden. Im Mittelpunkt steht der Künstler der 1960er-Jahre. Von der aktionistischen Malerei führt sein Weg über Materialbilder und die Zerstörung des traditionellen Tafelbildes bis zu den Trümmerplastiken. Zerreißen, Verschütten, Verformen und Zerstören werden zu künstlerischen Verfahren. In ihnen hallt eine Generationserfahrung nach: die materielle und moralische Verwüstung Europas durch Krieg und Nationalsozialismus.

Auch Muehls Aktionen kreisen um ein zutiefst pessimistisches Menschenbild. Unter der dünnen Decke der Zivilisation lauern Trieb, Aggression, sexuelle Begierde, Grausamkeit und Zerstörungswut. Der Mensch erscheint bei Muehl beschmutzt, besudelt, seiner Würde und seiner gesellschaftlichen Maske beraubt. Seine Kunst wird damit zum Ausdruck einer pessimistischen Anthropologie des 20. Jahrhunderts.

Umso größer ist der Widerspruch zu jener Hoffnung, die Muehl in den 1970er-Jahren mit der Kommune verbindet: „Ausgerechnet der Künstler, dessen Werk so wenig Vertrauen in den Menschen erkennen lässt, glaubt an die Möglichkeit, durch eine radikal veränderte Lebensform einen neuen Menschen hervorzubringen. Aus der  Befreiungsutopie entsteht jedoch zunehmend ein hierarchisches System, in dessen Zentrum Muehl selbst steht. Die Utopie schlägt in Herrschaft und Machtmissbrauch um. Klaus Albrecht Schröder

Vielleicht liegt hier eine der entscheidenden Erkenntnisse dieser Ausstellung: Muehls Kunst ist komplexer, widersprüchlicher und letztlich scharfsinniger als seine Gesellschaftsutopie. Während diese an ihrem Anspruch scheitert, den Menschen verändern zu können, hält seine Kunst an den Widersprüchen des Menschen fest.

Freiheit der Forschung und Schutz der Betroffenen

Diese Ausstellung stellt das Museum vor eine besondere Verantwortung. Im Umgang mit Otto Muehl treffen zwei gleichermaßen berechtigte Anliegen aufeinander: der Schutz der Betroffenen und ihrer Persönlichkeitsrechte sowie die Freiheit von Kunst, Wissenschaft und historischer Forschung. Das eine darf nicht gegen das andere ausgespielt werden.

Deshalb zeigt die Ausstellung im WAM keine Werke, auf denen Opfer erkennbar sind. Zugleich müssen Kunstwerke, historische Dokumente und seit Jahrzehnten publiziertes Material grundsätzlich Gegenstand wissenschaftlicher Forschung und musealer Auseinandersetzung bleiben können. Dabei gilt es auch, die Autonomie der Kunst zu verteidigen: Ein Kunstwerk erschöpft sich weder in der Biografie noch in der moralischen Beurteilung seines Urhebers, sondern besitzt eine eigene ästhetische und historische Wirklichkeit. Wenn auch solches Material dem Zugang und der Präsentation entzogen wird, obwohl es weder Betroffene zeigt noch deren Persönlichkeitsrechte verletzt, gerät die Freiheit der Forschung unter Druck.

„Eine demokratische Gesellschaft muss beides gewährleisten: den Schutz des Einzelnen und die Möglichkeit, auch die verstörenden, widersprüchlichen und moralisch belasteten Kapitel ihrer Geschichte zu untersuchen und sichtbar zu machen. Erinnerung verlangt Rücksicht – aber sie verlangt auch Erkenntnis“, so Klaus Albrecht Schröder

Weihburggasse 26
1010 Wien

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Dienstag bis Sonntag
11:00 – 18:00 Uhr
Montag geschlossen

Einzelticket: 13,00 €, ermäßigt 10,00 €

Ermäßigungen
Senior:innen ab 65, Studierende, Lehrlinge, Personen im Zivil- und Präsenzdienst und Menschen mit Behinderung

Freier Eintritt
Kinder unter 19 Jahren, Kulturpass – Inhaber:innen, ICOM-Mitglieder

5,00 € zusätzlich zum Museumseintritt
Führung anmelden

Öffentliche Verkehrsmittel:
U1 (Stephansplatz)
U3 (Stubentor bzw. Stephansplatz)
U4 (Stadtpark)
Linie 2 (Weihburggasse)
3A (Riemergasse)

Parkplätze
Wir weisen darauf hin, dass Parkmöglichkeiten am Gebäude äußerst limitiert sind. Fußläufig vom Museum befindet sich ein Parkhaus.

Aktuelle Ausstellung
OTTO MUEHL
KUNST AM ABGRUND
10. 9. – 10. 1. 2027