Rückblick

WAS IST WIENER AKTIONISMUS

15. März 2024 bis 31. Jänner 2025

WAS IST WIENER AKTIONISMUS, Ausstellungsansichten, WIENER AKTIONISMUS MUSEUM, 2024, Fotos: Manuel Carreon Lopez © Bildrecht, Wien 2026

Die Eröffnungsausstellung des WAM bietet einen tiefgehenden Einblick in die komplexen und facettenreichen Entwicklungen des Wiener Aktionismus in seiner Kernphase in den 1960er Jahren.
Sieben Kapitel, die die Ausstellung in mehrere Abschnitte unterteilen, beleuchten detailliert die wichtigsten Facetten der bis heute radikalsten Kunstbewegung des 20. Jahrhunderts.

Vier Künstler, eine radikale Bewegung

Die wichtigsten Vertreter dieser Bewegung waren Günter Brus, Otto Mühl, Hermann Nitsch und Rudolf Schwarzkogler. Ihr zentrales Anliegen war eine direkte und tabulose Auseinandersetzung mit sinnlichen und psychologischen Erfahrungen in künstlerisch intensivierter Form. Zu diesem Zweck arbeiteten sie mit Körpern, Objekten und Substanzen in Form von Aktionen in Raum und Zeit. Damit reihten sie sich in internationale Strömungen wie Pop Art, Nouveau Réalisme oder die Fluxus- und Happening-Bewegungen ein, die die konkrete Lebenswirklichkeit wieder zum Gegenstand des künstlerischen Schaffens machten, nachdem zuvor die Abstraktion dominiert hatte.

Von der Malerei zur Aktion

Alle vier Künstler begannen als Maler und gingen über die Tafelmalerei hinaus, indem sie immer vielfältigere Materialien einsetzten und Objekte einbezogen, bevor sie diese schließlich zugunsten von Aktionen aufgaben. Sie sahen darin keine Überwindung der Malerei, sondern eine neue, erweiterte Form derselben, in der sie ihr bildnerisches Denken nie aufgaben. Inhaltlich konzentrierte sich der Wiener Aktionismus auf den menschlichen Körper und die Psyche. Dazu gehörten körperliche Funktionen, die gesellschaftlich tabuisiert oder gar geächtet sind, wie Urinieren, Defäkation oder Sexualität, sowie unbewusste oder verdrängte psychische Triebe und (Ur-)Ängste, wie Aggression, Zerstörung, Verletzungs- oder Todesangst. Die Künstler verstanden dies als einen Akt der Bewusstseinsbildung, aber auch als Rebellion gegen gesellschaftliche Zwänge und Mechanismen der Verdrängung.

Psychoanalyse und Katharsis

Dies hatte seine Grundlage in den Theorien der Psychoanalyse, mit denen sich die Aktionisten intensiv auseinandersetzten, insbesondere mit denen von Sigmund Freud, C. G. Jung und, im Falle von Muehl, Wilhelm Reich. Auch die zentralen Anliegen der Abreaktion und Katharsis als Wege zur Entladung, Überwindung und Beseitigung aufgestauter Triebe stammten aus psychoanalytischen Ideen. Alle vier strebten mit ihrer Kunst reinigende und heilende, d. h. therapeutische Wirkungen an.

Auf diese Weise reagierte der Wiener Aktionismus auf die soziokulturelle Situation im Nachkriegsösterreich, die von einem ausgeprägten Wertkonservatismus geprägt war und in der das Bedürfnis, sich mit der Rolle des Landes als Teil des nationalsozialistischen Deutschlands auseinanderzusetzen, lange Zeit unterdrückt worden war.

Kuratorinnen:
Eva Badura-Triska
Julia Moebus-Puck

Weihburggasse 26
1010 Wien

Google Maps

Dienstag bis Sonntag
11:00 – 18:00 Uhr
Montag geschlossen

Einzelticket: 13,00 €, ermäßigt 10,00 €

Ermäßigungen
Senior:innen ab 65, Studierende, Lehrlinge, Personen im Zivil- und Präsenzdienst und Menschen mit Behinderung

Freier Eintritt
Kinder unter 19 Jahren, Kulturpass – Inhaber:innen, ICOM-Mitglieder

5,00 € zusätzlich zum Museumseintritt
Führung anmelden

Öffentliche Verkehrsmittel:
U1 (Stephansplatz)
U3 (Stubentor bzw. Stephansplatz)
U4 (Stadtpark)
Linie 2 (Weihburggasse)
3A (Riemergasse)

Parkplätze
Wir weisen darauf hin, dass Parkmöglichkeiten am Gebäude äußerst limitiert sind. Fußläufig vom Museum befindet sich ein Parkhaus.

Aktuelle Ausstellung
OTTO MUEHL
KUNST AM ABGRUND
10. 9. – 10. 1. 2027